Die Berliner Feuerwehr kämpft gegen katastrophale Arbeitsbedingungen

 

Überstunden, veraltete Ausrüstung, schlecht bezahlt, zu wenig Personal und lebensbedrohliche Arbeitsbedingungen – es gibt viele Dinge, über die sich Berliner Feuerwehrleute beklagen. Mit einer einwöchigen Mahnwache vor dem Roten Rathaus wollen sie auf ihre Situation aufmerksam machen.  Dazu gibt es noch eine Petition auf change.org, die sich an den Berliner Bürgermeiser Michael Müller richtet und derzeit 74 Tsd. Unterstützer/innen hat.

Die jahrelangen Sparzwänge des Berliner Senats förderten immer mehr Missstände, die endlich abgestellt werden müssen. Die Gesundheit der Berliner Feuerwehrleute und vor allem die Sicherheit der Bürger in Berlin sind akut gefährdet! Missstände bei der Berliner Feuerwehr: 48 h-Woche, mind. 210 h im Monat, hohe Belastung durch extrem hohe Einsatzzahlen, Pro Kollege mehrere Hundert Überstunden → keine Möglichkeit des Zeitausgleichs oder der Auszahlung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie kaum möglich → 6 freie Wochenenden im Jahr, viel zu wenig Personal (1.100 fehlende Kollegen), niedrigste Besoldung von Landesbeamten im ganzen Bundesgebiet…

Auszug aus der Informationsseite Berlinbrennt.de
Gemeinsam mit der Deutschen Feuerwehrgewerkschaft und der Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat der Verdi-Landesbezirk Berlin-Brandenburg die Protestaktion organisiert.

Feuerwehrleute, die aber nicht namentlich genannt werden möchten, schilderten vor Ort auch, dass es in der Behörde nicht möglich sei, offen Kritik zu äußern. Würde man unter vollen Namen öffentlich Kritik üben, müsse man mit Konsequenzen rechnen.

 

Feuerwehr-Gewerkschafter: “Ich dusche in Schimmelduschen”

 

Seit Jahresbeginn hat die Feuerwehr bereits Dutzende Mal den Ausnahmezustand Rettungsdienst ausrufen müssen. An solchen Ausnahmetagen sind die Rettungswagen nahezu ausgelastet, weil zu viele Notrufe in der Leitstelle der Feuerwehr landen und bis zu 1700 Alarmierungen am Tag bewältigt werden müssen. Wird der Ausnahmezustand ausgerufen, werden Löschfahrzeuge außer Betrieb genommen, um das Notfallrettungswesen aufrechtzuerhalten.  Dies bedeutet auch, dass die Feuerwehr bei Notrufen meist erst nach 30 Minuten bis einer Stunde im Unfallort antreffen kann, was für Betroffene bei Brand, Atemnot, Bewusstlosigkeit etc. zu verheerenden Folgen führt.

Beim Landesparteitag der Linken sagte Verdi-Betriebsgruppensprecher Stefan Ehricht am 14.04.2018 aus, dass u.a. die Hallentore von Hand geöffnet werden müssen. Bei Notrufen etwa wegen eines Herzinfarktes käme mitunter erst ein Löschfahrzeug zur Ersten Hilfe, manchmal erst nach bis zu 40 Minuten ein Krankenwagen. Auch die Feuerwehrschule zur Ausbildung sei zu klein. Ehricht, der seit rund 20 Jahren als Feuerwehrmann arbeitet, forderte: “Lieber Geld investieren statt Leben riskieren!”

 

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Marina Hölter

Marina Hölter

Tätig als Freelancer und Redakteurin von iPG24. Interessiert sich für verschiedene Themengebiete rund um Deutschland und Europa.

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