Das Phänomen „Kampfhund“ – übertriebene Massenhysterie in Deutschland

Skeptisch guckender Amstaff

Pitbulls und American Staffordshire zählen u.a. zu Listenhunden bzw. zu den sog. Kampfhunden. Deren Haltung ist in den meisten deutschen Bundesländern verboten bzw. nur unter strengen Auflagen erlaubt.

Sie liegen auf Platz Eins der meist gefürchtetsten Hunderassen in Deutschland.

Doch sind sie wirklich so gefährlich und unberechenbar wie viele behaupten, oder handelt es sich hierbei um eine übertriebene Massenhysterie in Deutschland?

Gerne machen Massenmedien schockierende Schlagzeilen mit Pitbulls bzw. Amstaffs. Das aktuellste Skandal dürfte wohl September 2017 „Nachbar ging mit Vorschlag-hammer auf Kampfhunde los“ von Bild.de sein.

 

Angermünde – Leichtsinnig öffnet Jan Owens (53) das Kettenschloss eines Hunde-Zwingers. Sekunden später wird seine Tochter Sina von zwei Kampfhunden blutig gebissen! – Klinik!
Nachbar Bernd Hamel (54) aus Angermünde in der Uckermark passte auf die Tiere auf, weil ihr Besitzer vor Kurzem verstorben ist. Vergangenen Sonntag gibt er Jan Owens den Schlüssel – „nur mal kurz die Hunde angucken …“
Quellenangabe: http://www.bild.de/regional/berlin/kampfhunde/nachbar-rettet-zweijaehrige-vor-kampfhunden-53062686.bild.html

 

So heißt es in diesem Artikel.
Die Hunde wurden vom Amtstierarzt eingeschläfert – weil sie ein Kind bissen.
Aber wer hatte Schuld an dem Vorfall? Derjenige, der auf die Tiere aufpassen sollte und sie unbeaufsichtigt einem Fremden überließ? Der Kindesvater, welcher vollkommen sinnlos beide Hunde gleichzeitig aus dem Zwinger ließ, damit seine 2-jährige (!) Tochter diese streicheln konnte? Oder die beiden Hunde, die sich in einem Zwinger befanden bis sie scheinbar völlig unkontrolliert von einer Person raus gelassen wurden?
Die Frage stellte sich offensichtlich zu spät, denn die Hunde wurden vom Amtstierarzt eingeschläfert.

 

Amstaff spielt mit Hundekumpel

Häufig berichten Massenmedien über ähnliche Fälle, wobei es jeder x-beliebige Hund hätte sein können der eine fremde Person beißt oder verletzt.
Doch der Amstaff liegt mit seiner imposanten Ausstrahlung gerne im Fokus – auch wenn er selbst eher ein mittelgroßer Hund ist und damit z.B. kleiner ist als ein dt. Schäferhund.
Aber wer will denn schon einen flauschigen Großpudel oder einen süßen Labradoren als bösen Killer-Hund auf der Titelseite sehen? Vor allem wenn o.g. Hunderassen vielleicht sogar selbst zu Hause als Couchpatato gehalten werden.
Über das Aggressionsverhalten von Listenhunden und Golden Retrievern kam eine vergleichende Studie von Journal of Veterinary Behavior: Clinical Applications and Research in den Niederlanden zu dem Schluss, dass signifikante Unterschiede im Aggressionsverhalten nicht existierten.

Kann man also Amstaffs und Pitbulls allgemein als angriffslustiger und aggressiver bezeichnen als andere Hunde? Nein.

Kampfhunde in anderen Ländern

 

Kampfhund auf dem Arm

Seit 2009 gibt es beispielsweise keine Listenhunde mehr in Italien. Stattdessen gibt es nun ein Register für auffällige Hunde bzw. Beißvorfälle unabhängig der Rassen.

Auch in den Niederlanden wurde die RAD-Liste (Regelung für aggressive Tiere) aus dem Jahr 1993 aufgehoben, da die Behörden feststellen, dass die Beißstatistik sich durch diese Liste nicht verändert hatte und in z.B. Schweden gibt es gar keine Rasseliste für sog. Kampfhunde.

Befindet man sich also außerhalb von Deutschland, Österreich und der Schweiz merkt man schnell einen anderen Umgang mit sog. Kampfhunden. Sogar in Ländern, in denen besondere Auflagen für manche Hunderassen verlangt werden wie Spanien z.B. gibt es den betroffenen Hundenrassen bzw. Hunden gegenüber keine derartige Massenhysterie wie in Deutschland.

 

Bildquellen: Bild 1 und Bild 2 von Miles Actually // Bild 3 von Vicenzo Reina
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Marina Hölter

Marina Hölter

Tätig als Freelancer und Redakteurin von iPG24. Interessiert sich für verschiedene Themengebiete rund um Deutschland und Europa.

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